“Ich bau´ mir meine Welt, ganz wie sie mir gefällt!“ – Barrierefrei bauen bedeutet wesentlich mehr als auf Schwellen und andere Stolpersteine zu verzichten. Es bedeutet Raum zu schaffen, in dem Sie sich frei entfalten können und Ihre ganz persönliche Wohlfühl-Atmosphäre verwirklichen. Worauf Sie beim Bau Ihres Traumhauses achten sollten, um in den eigenen vier Wänden so komfortabel und selbstbestimmt wie möglich zu wohnen – ob mit oder ohne Handicap.

barrierefrei bauen © Africa Studio/Shutterstock.com

© Africa Studio/Shutterstock.com

Barrierefrei bauen – was heisst das genau?

Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen stossen in ihrer Umgebung immer wieder auf Barrieren, die sie in ihrer Autonomie einschränken. Solche Hindernisse kommen in verschiedener Gestalt daher: Neben Treppen und Schwellen wären da etwa Briefkästen oder Klingelanlagen, die im Rollstuhl sitzend kaum erreichbar sind. Doch selbst ein rollstuhlgerechtes Haus kann für blinde oder geistig beeinträchtigte Menschen zum Labyrinth werden, wenn Leitsysteme oder einfache Informationssysteme fehlen.

Barrierefrei bauen ist daher im Kern immer eine individuelle Angelegenheit! Auch wenn es gesetzliche Richtlinien und Normen gibt, zählen letztlich Ihre persönlichen Bedürfnisse. Wer selbst baut, hat es in der Hand und kann sein Traumhaus so gestalten, dass trotz Handicap ein weitgehend autonomes, selbstbestimmtes Wohnen möglich ist.

Barrierefrei bauen beginnt schon bei der Grundstückswahl

Ein Haus im Grünen ist der Traum vieler Eigenheimbesitzer. Doch wer seinen Alltag mit Rollstuhl, Rollator oder anderen Hilfsmitteln möglichst selbstständig bewältigen will, sollte auch auf eine gute Verkehrsanbindung und die Infrastruktur vor Ort achten: Sind Supermarkt, Arztpraxis, Restaurants und Cafés rasch erreichbar? Sind die Gehwege im unmittelbaren Umfeld gut zu befahren? Grundsätzlich ist für Rollstuhlfahrer eine möglichst ebene Topografie vorteilhaft. Ein eigener Garten kann durchaus behindertengerecht gestaltet werden: etwa durch gut befestigte und ausgeleuchtete Wege, einen Pool mit Liftanlage oder Hochbeete.

Wichtig sind darüber hinaus barrierefreie Pkw-Stellplätze, Carports oder eine Garage auf dem Grundstück möglichst in Eingangsnähe. Da Rollstuhlfahrer etwas mehr Platz zum Ein- und Aussteigen benötigen, sollte der Pkw-Stellplatz grosszügig dimensioniert sein – eine Mindestgrösse von 3,50 x 5,00 Meter ist vorteilhaft.

Die architektonischen Grundlagen

Ob Bungalow oder luxuriöse mehrstöckige Villa – grundsätzlich lässt sich fast jedes Grundrisskonzept barrierefrei planen und umsetzen. Die einfachste Lösung ist aber sicher der ebenerdige Bau ohne Unterkellerung und obere Stockwerke. Damit ersparen Sie sich den Einbau von Aufzügen und Treppenliften, die für Menschen mit besonderen Handicaps manchmal schwer selbstständig zu benutzen sind.

Ein cleverer Grundriss ist die wichtigste Basis für ein behagliches, komfortables Zuhause. Gerade für Rollstuhlfahrer ist es wichtig, dass Wohnräume und Flure grosszügig dimensioniert sind und ausreichend Bewegungsfreiheit bieten. Als Richtwert für die Raumplanung sollten Sie bedenken, dass eine Drehung mit dem Rollstuhl eine Mindestfläche von 1,50 x 1,50 Meter erfordert. Zum Umsetzen vom Elektro- auf den Schieberollstuhl und umgekehrt ist sogar eine etwas grössere Fläche von 1,50 x 1,80 Meter erforderlich. Denken Sie auch an genügend Stauraum sowie die nötigen Abstellflächen für Rollator, Rollstuhl und andere medizinische oder technische Hilfsmittel!

Raumbedarf vorausschauend planen

Berücksichtigen Sie bei der Planung Ihres Traumhauses auch, dass sich Ihre Bedürfnisse im Laufe des Lebens ändern können. Flexible Grundrisslösungen, die einen Umbau mit geringem Aufwand ermöglichen, geben Ihnen die Sicherheit, möglichst lange selbstständig wohnen zu können.

Trotz aller technischer Gadgets braucht es manchmal auch menschliche oder tierische Helfer: etwa für Einkäufe, bestimmte Haushaltstätigkeiten oder medizinische Massnahmen. Wo Sie an Ihre individuellen Grenzen stossen, kann Ihnen – je nach Art des Handicaps – eine persönliche Assistenz oder ein Blindenhund den Alltag massgeblich erleichtern. Planen Sie daher eventuell zusätzlichen Raum für Pflegepersonen mit ein, damit Sie Ihren Lebensabend komfortabel im eigenen Zuhause geniessen können.

Was ein barrierefreies Haus im Detail auszeichnet

Was beim barrierefreien Bauen im Detail zu beachten ist, regelt die Norm SIA 500 oder DIN 18040. Diese Richtlinie bezieht sich zwar auf die Gestaltung öffentlicher Gebäude und Räume, lässt sich mit leichten Anpassungen aber auch auf das private Eigenheim übertragen. Die Norm legt unter anderem Mindestmasse für Fluren, Türen und Räume fest und beschreibt die nötigen Ausstattungsdetails von Wohn-, Schlaf-, Sanitärräumen und Küche. Wichtig zu wissen ist, dass sich die SIA 500 oder DIN 18040 in erster Linie an den Bedürfnissen von Rollstuhlfahrern orientiert. Für Menschen mit besonderen Handicaps und schweren Beeinträchtigungen können die Lösungen daher mitunter unzureichend sein!

Hier ein kurzer Überblick, welche Kriterien die SIA 500 oder DIN 18040 für einen barrierefreien Wohnraum definiert:

  • Hauszugang stufen- und schwellenlos erreichbar, Steigung einer Zugangsrampe sollte maximal 3,5 % betragen
  • Briefkasten und Klingelanlagen aus Sitzposition erreichbar (maximale Höhe 85 cm)
  • leichtgängige Haus- oder Wohnungs-Eingangstür mit Türspion in zwei Höhen
  • alle Türen: mindestens 90 cm Breite und 205 cm Höhe, schwellenfreie Ausführung
  • Flurbreite in der Wohnung: mindestens 120 cm
  • Bewegungsfläche vor Türen oder Einrichtungsgegenständen: mindestens 150 x 150 cm
  • Bedienelemente (Lichtschalter, Heizregler, Fenstergriffe etc.) in maximal 85 cm Höhe
  • rutschhemmende, rollstuhlgeeignete Bodenbeläge
  • Abstellraum mit Stromanschluss zum Laden eines Elektrorollstuhls
  • Sanitärraum mit niveaugleicher Dusche, Haltegriffen und unterfahrbarem Waschtisch
  • WC mit 48 cm Sitzhöhe (oder passend für den Nutzer)
  • Zuleitungen für ein Dusch-WC, insbesondere elektrischer Strom

Wie Sie Ihr Eigenheim im Detail barrierefrei planen und konzipieren, beschreiben wir ausführlicher in unserem Leitfaden „Behindertengerechter Umbau und barrierefreies Bauen“.

Smart-Home-Lösungen für mehr Wohnkomfort

Immer mehr Eigenheimbesitzer verlassen sich im Alltag auf intelligente Steuerungssysteme, sogenannte Smart-Home-Lösungen. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass sich Fenster und Türen automatisch schliessen oder das Licht angeht, sobald jemand den Raum betritt bzw. befährt. Clevere Heizungsregler stellen eine behagliche Raumtemperatur sicher, die sich automatisch absenkt, wenn niemand zu Hause ist. Und dank Smart-Home-App können Sie auch von unterwegs jederzeit kontrollieren, ob die Haustür versperrt und der Küchenherd ausgeschaltet ist.

Smart-Home-Lösungen sind für alle Eigenheimbesitzer bequem. Besondere Vorteile bieten sie aber für Menschen mit Handicaps. Denn die intelligenten Systemen ersparen Ihnen durch Bewegungs- und Präsenzmelder oder Fernsteuerung lästige Wege – oder den Krafteinsatz für das Hochziehen der Rollläden. Und dank zentraler Steuerung per App haben Sie von jedem Ort aus Zugriff auf Haushaltsgeräte oder Elektroinstallationen. Willkommen in der smarten Zukunft des Wohnens!

Barrierefrei bauen mit Stil

Bei „barrierefreiem Bauen“ denken viele Menschen an nüchtern-zweckmässige Räume mit steriler Krankenhaus-Atmosphäre. Doch in Wahrheit handelt es sich nur um kleinere Anpassungen, damit das eigene Zuhause individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Ob Passivhaus in leichter Holzbauweise oder Luxusvilla – nahezu jeder Wohnstil lässt sich genauso gut auch ohne Hindernisse und Stolperfallen umsetzen. Einem stilvollen Eigenheim ganz nach Ihrem Geschmack steht somit auch mit Handicap nichts im Wege!