Gutes Essen – darüber tauschen wir uns gerne und oft aus. Was anschliessend mit der Nahrung passiert, gilt dagegen als ein wenig peinlich und anrüchig. Schade, denn unser Darm ist bei näherer Betrachtung ein faszinierendes Organ, das täglich Höchstleistungen für uns vollbringt! Wir haben einige Zahlen und Fakten gesammelt, die vielen Menschen neu sein werden.

darm @ one photo/shutterstock

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1. Wir muten unserem Darm Tonnen an Nahrung zu

Unser Darm ist ein Schwerstarbeiter: Vom ersten Tag an bis zu unserem Lebensende knetet und verdaut er geschätzte 30 Tonnen Nahrung und 50.000 Liter Flüssigkeit! Wer sich ballaststoffreich ernährt, kann es sogar auf wesentlich grössere Mengen bringen.

2. Der Darm besitzt jede Menge Muskeln

Um dieses enorme Arbeitspensum zu bewältigen, verfügt unser Darm über einige 100 Millionen Muskelzellen – auch wenn man ihm das auf den ersten Blick kaum ansieht. Die Muskelschicht unserer Darmwand ist schlank, aber höchst ausdauernd, im Gegensatz zu unserer Skelettmuskulatur ermüdet sie kaum. Ähnlich wie der Herzmuskel arbeitet sie Tag und Nacht für uns, ohne dass wir uns bewusst darauf konzentrieren müssen. Überfordern wir sie, dann kann sie allerdings mit Krämpfen reagieren.

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Von knuspriger Hähnchenbrust mit Zucchinigemüse über ​bunte Gemüsesuppe
bis hin zu leckerem Johannisbeersorbet.

3. Warum Falten und Furchen gut für uns sind

Falten – darauf könnten die meisten von uns verzichten. Auf die im Gesicht wohlgemerkt. Denn unser Darm besitzt reichlich Falten und Furchen und das ist gut so. Sonst wäre es nämlich schwer, rund 40 m2 an Verdauungsfläche in einem gerade einmal 5 bis 7 Meter langen Schlauch unterzubringen. Diese enorme Fläche brauchen wir, um die Nährstoffe aus der Nahrung effizient aufnehmen zu können.

4. Die Dünndarm-Schleimhaut ist zart wie Samt

Unser Darm ist jemand, der seine wahre Grösse gerne verbirgt. Denn die sichtbaren Falten sind nur der Anfang. Um uns so viel Fläche wie möglich zu bieten, weist die innere Darmschleimhaut eine erstaunliche Struktur auf: Mit freiem Auge betrachtet, sieht sie aus wie Samt. Unter dem Mikroskop erkennt man, dass es sich dabei um fingerförmige Erhebungen, sogenannte Darmzotten handelt. Jede dieser winzig kleinen Ausstülpungen trägt wiederum Zotten, wodurch insgesamt eine Oberfläche so gross wie ein kleines Studio-Appartement entsteht.

5. Wir sind nie allein: Die Mikroben-WG

Diese „Wohnung“ steht nur so lange leer, wie wir uns gut geschützt im Mutterleib befinden. Unmittelbar nach der Geburt nisten sich die ersten Bewohner ein: Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Einzeller. Etwa hundert Billionen Mikroben machen es sich im Darm eines gesunden Erwachsenen gemütlich, das ist eine 15-stellige Zahl! Wissenschaftler bezeichnen diese Mikroben-WG auch als Mikrobiom. Die ältere Bezeichnung „Darmflora“ ist etwas irreführend, weil sie suggeriert, es würde sich um pflanzliche Lebewesen handeln.

Würde unsere Mikroben-WG gesammelt ausziehen, wären wir auf einen Schlag um bis zu 2 bis 3 Kilogramm leichter. Mit der Verdauung hätten wir es dann jedoch schwer. Denn unsere Untermieter sind keinesfalls Schmarotzer, sondern packen im Gegenteil fleissig mit an und sind für eine funktionierende Verdauung unverzichtbar.

6. Ein „Durchgang“ dauert 10 bis 100 Stunden

Was wir oben einfüllen, findet im Schnitt nach 24 bis 72 Stunden wieder seinen Weg nach draussen. Ein übereifriger Darm gibt die Nahrungsreste schon mal nach 10 Stunden frei, ein träger Darm benötigt 100 Stunden oder mehr. Während dieser Zeit wird der Nahrungsbrei gründlich durchgeknetet und durch Verdauungsenzyme in seine Einzelbestandteile zerlegt. Aus Kohlenhydraten entstehen etwa lauter kleine Zucker-Moleküle. Erst diese winzig kleinen Teilchen gelangen über die feinen Blutgefässe in den Darmzotten in unseren Blutkreislauf.

7. Auch Männer haben einen Milchbrustgang

Das Fett in unserer Nahrung nimmt jedoch einen anderen Weg. Denn Fett ist wasserunlöslich und würde uns in Windeseile die feinen Blutgefässe der Darmzotten verstopfen. Deshalb werden die Nahrungsfette über winzig kleine Lymphgefässe aufgenommen, die parallel zu den Blutgefässen verlaufen. Diese Mini-Lymphgefässe laufen zu einem grossen Strang zusammen, den man „Milchbrustgang“ nennt. Frauen wie Männer besitzen ihn. Er heisst so, weil die Lymphflüssigkeit trüb wie Milch aussieht, nachdem wir einen fetten Braten oder eine Stück Sahnetorte gegessen haben. Der Milchbrustgang verläuft übrigens vom Dünndarm direkt zum Herzen. Dort vereint sich die fettige Flüssigkeit mit unserem Blut.

8. Unsere wichtigste Abwehrfront sitzt im Darm

Überall dort, wo etwas von draussen in unseren Körper gelangt, ist Vorsicht angesagt. Auch in unserer Nahrung lauern mitunter Krankheitserreger oder Giftstoffe. Zum Glück hat der Körper vorgesorgt: Unser Darm beherbergt in seinem Inneren eine riesige Abwehr-Armee. Rund 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen im Darm! Besonders viele davon befinden sich übrigens im Wurmfortsatz, das ist jener Teil des Blinddarms, der sich entzünden kann und dann oft entfernt werden muss. Den Verlust kann der Körper problemlos kompensieren, die Immunzellen bilden sich dann einfach an anderen Stellen neu.

9. Der Dickdarm beherrscht den „Rückwärtsgang“

Sobald der Nahrungsbrei den Dünndarm passiert hat, sind die Verdauungsvorgänge fast abgeschlossen. Aber eben nur fast, denn der Dünndarm arbeitet ein wenig „schlampig“ und nimmt einige wichtige Nährstoffe wie Calcium, Vitamin K oder Vitamin B nur unzureichend auf. Um diese Stoffe kümmert sich der Dickdarm. Er hat auch noch eine weitere wichtige Funktion: Der Dickdarm reguliert unseren Wasserhaushalt, indem er dem Stuhl Wasser entzieht. Zu diesem Zweck legt er zwischendurch den „Rückwärtsgang“ ein und verschiebt den Darminhalt ein paar Mal vor und zurück, bis die Flüssigkeitsbilanz stimmt.

10. Alles dicht da unten? Doppelt hält besser

Hat der Dickdarm seine Arbeit geleistet, dann findet das „Endprodukt“ seinen Weg nach draussen. Um zu vermeiden, dass das hier und sofort geschieht, besitzen wir zwei Schliessmuskeln, die zusammenarbeiten. Willentlich kontrollieren können wir nur den äusseren der beiden ringförmigen Muskeln. Der innere Schliessmuskel gehorcht dem unbewussten Nervensystem und öffnet sich reflexartig, sobald der Stuhl in den Enddarm gelangt. Er schliesst sich allerdings auch wieder, wenn ihm der äussere Schliessmuskel signalisiert, dass jetzt Zurückhaltung angesagt ist.

11. Unser „Bauchhirn“ handelt selbstständig

Neben Muskeln, Abwehrzellen und einer Mikroben-WG beherbergt unser Darm ausserdem noch ein eigenes Nervensystem mit etwa 100 bis 200 Millionen Nervenzellen. Es wird oft als „Bauchhirn“ bezeichnet, weil es völlig selbstständig arbeitet, ohne auf Befehle des „Kopfhirns“ zu warten. Beide „Hirne“ kommunizieren allerdings eng miteinander. Das ist auch der Grund, warum sich Stress und psychische Verstimmungen auf die Verdauung schlagen können.

12. Glück beginnt möglicherweise im Darm

Die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“ könnten einen realen Hintergrund haben: Das sogenannte Glückshormon Serotonin wird zu über 90 Prozent im Darm gebildet. Es stimuliert dort die Bewegungen der Darmmuskulatur. Wieviel des im Darm gebildeten Serotonins in unser Gehirn gelangt, ist wissenschaftlich aber noch ungeklärt.

Unser Darm kann wesentlich mehr, als man ihm so zutraut! Es gibt absolut keinen Grund, über seine Tätigkeit verschämt zu schweigen.