Es gibt ein paar Dinge, auf die jeder verzichten kann: Stress mit dem Chef, sieben Tage Regenwetter und ein Hämorrhoidalleiden. Zum Glück lässt sich gegen Letzteres etwas unternehmen. Hier verraten wir Ihnen, wie man dem verbreiteten Volksleiden vorbeugt, das man landläufig auch als „Hämorrhoiden“ kennt.

Hämorrhoidalleiden © Red On/Shutterstock.com

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Warum es gut ist, dass wir Hämorrhoiden haben

Hämorrhoiden sind zunächst einmal etwas Nützliches. Denn dabei handelt es sich ganz einfach um die ringförmigen Blutgefässe am Po, die jeder von uns hat. Zum Glück, denn sie unterstützen den Schließmuskel bei seiner Arbeit, indem sie für die Feinabdichtung am Darmausgang sorgen. So bleibt drin, was drin bleiben soll.

Erst wenn sich Hämorrhoiden krankhaft verändern, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden. Die Beschwerden sind vergleichbar mit Krampfadern: Das Blut fliesst unvollständig aus den Gefässen ab, wodurch diese „ausleiern“ und sich vergrössern.

So entsteht ein Hämorrhoidalleiden

Wie kommt es zu so einem Blutstau? Dafür gibt es zwei hauptsächliche Ursachen. Die eine ist Vererbung: Manche Menschen haben ganz einfach eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche. Das lässt sich leider kaum ändern. Die zweite Ursache – und hier wird es interessant! – liegt im Lebensstil begründet: Vor allem Bewegungsmangel, Übergewicht und Verstopfung können das Analleiden begünstigen.

Warum Verstopfung? Hämorrhoiden geraten ziemlich unter Druck, wenn wir auf der Toilette stark pressen müssen, um uns zu entleeren. Passiert das häufig, kann sich das Gewebe immer schlechter regenerieren. Sind die Gefässe erst einmal angeschwollen, werden sie durch harten, klumpigen Stuhl leicht verletzt. Dadurch kann es zu Blutungen kommen, ein häufiges Symptom bei einem Hämorrhoidalleiden.

Hämorrhoidalleiden – kein unvermeidbares Schicksal!

Leider gibt es weder Tabletten, Impfungen noch Wundermittel, um die lästigen Anal-Beschwerden zu vermeiden. Zu einem grossen Teil haben wir es selbst in der Hand, von einem Hämorrhoidalleiden verschont zu bleiben, indem wir unseren Lebensstil entsprechend anpassen. Das sind die Schrauben, an denen wir drehen müssen:

  • Ernährungs- und Trinkgewohnheiten
  • Bewegung und Sport
  • Toilettengewohnheiten
  • Psycho-Hygiene

Essen & Trinken: Welche Nahrung unser Darm braucht

Morgens ein Croissant, in der Mittagspause rasch eine Pizza vom Italiener nebenan und abends ein Gläschen Wein zur Käseplatte: Das liefert viel Energie und zugleich wenig Ballaststoffe. Ein sicherer Weg, um Fettpölsterchen und Verstopfung zu fördern! Anders als ihr Name nahelegt, sind Ballaststoffe für den Darm alles andere als Ballast. Unverdauliche Nahrungsbestandteile aus Pflanzenfaser regen die Darmtätigkeit an und fördern eine gesunde Darmflora. Zugleich machen sie satt, ohne das Kalorienkonto zu belasten.

Eine ballaststoffreiche Ernährung ist daher eines der wichtigsten Mittel, um Verstopfung und auf lange Sicht Übergewicht vorzubeugen. Beherzt zugreifen sollten Sie bei:

  • Obst und Gemüse (gerne auch roh)
  • Gebäck, Nudeln und Flocken aus Vollkorn-Getreide
  • Hülsenfrüchten wie Linsen und Bohnen
  • Nüssen und Samen (z.B. Leinsamen)
  • milchsauer vergorenen Lebensmitteln wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut

Eher zu vermeiden sind:

  • Süssigkeiten und Mehlspeisen
  • Brot, Gebäck und Nudeln aus Weissmehl
  • Tierische Fette
  • Alkohol

Auch ausreichend trinken ist wichtig – und damit meinen wir Flüssigkeiten wie Wasser, Mineralwasser, Tee und stark verdünnte Fruchtsäfte. Erst Ballaststoffe in Verbindung mit Flüssigkeit bewirken, dass die Verdauung in Schwung und der Stuhl weich bleibt. Alkohol dagegen kann ein Hämorrhoidalleiden fördern. Denn er erweitert unsere Blutgefässe, auch die am Darmausgang!

Warum Bewegung auch der Verdauung auf die Sprünge hilft

Wir sitzen morgens im Auto, tagsüber im Büro und abends vor dem Fernseher. Bei so viel Untätigkeit macht der Darm gerne mit. Bewegungsmangel fördert leider Verstopfung und ist mit ein Grund für Übergewicht – und damit ein weiterer Risikofaktor für ein Hämorrhoidalleiden.

Für einen gesunden Po müssen Sie keinesfalls zum Marathon-Läufer werden. Bewegung sollte Freude bereiten und keine Qual sein. Für den Anfang reicht es schon, öfter einmal das Auto stehen zu lassen und kurze Strecken im Alltag zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu bewältigen. Auf die Regelmässigkeit kommt es an, weniger auf die Intensität! Vielleicht macht Ihnen Bewegung ja auch gemeinsam mit dem Partner oder in der Gruppe mehr Spass?

Toilettengewohnheiten: Auf die Haltung kommt es an

Auch Ihren Toilettengang können Sie optimieren, um einem Hämorrhoidalleiden vorzubeugen. Lange Sitzungen mit ausgiebiger Zeitungslektüre sollten Sie besser vermeiden. Denn dadurch setzen Sie Ihre Hämorrhoidal-Gefässe stark unter Druck. Besser nur dann zur Toilette gehen, wenn Sie wirklich müssen und sich ganz ohne „Gewaltakte“ entleeren können!

Wenn Sie sich bei der Darmentleerung schwer tun, könnte es auch an Ihrer Haltung liegen. Denn so bequem es auch sein mag: Beim aufrechten Sitzen auf der Toilette knickt unser Enddarm leicht ab. Die Folge ist, dass wir stärker pressen müssen, damit der Stuhl „die Kurve kratzt“.

Leichter funktioniert es in der Hocke, weil sich dabei der Enddarm streckt. Also die Toilettenschüssel verbannen oder ab in die freie Natur? Zum Glück gibt es eine komfortablere Lösung: Stellen Sie Ihre Füsse auf einem kleinen Hocker ab, während Sie auf der Toilette sitzen, auch so kommen Sie in eine günstige Haltung.

Wie die Psyche mit dem Darm im Verbindung steht

In den letzten Jahren haben Forscher mehr und mehr herausgefunden, dass Darm und Psyche eng miteinander in Verbindung stehen. Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse können die beiden Organe mithilfe von Botenstoffen kommunizieren.

Der Volksmund weiss es schon lang: Wir haben vor schwierigen Aufgaben „Schiss“ oder bei heiklen Entscheidungen „Bauchweh“. Falls Sie sich schon gesund ernähren, ausreichend bewegen und dabei immer noch unter Verdauungsproblemen leiden, kann es auch einfach an psychischer Belastung liegen. Wichtig wäre es, von einem hohen Stresslevel im Alltag regelmässig auch wieder herunterzukommen – das ist leider oft leichter gesagt als getan.

Schon ein paar Minuten Entspannung sind besser als gar keine Entspannung. Versuchen Sie einmal, die Augen zu schliessen und jeden Muskel Ihres Körper bewusst an- und wieder zu entspannen. Oder gönnen Sie sich eine Tasse heissen Tee, klassische Musik, ein Stück Obst – was auch immer Ihnen gut tut. Auch und gerade dann, wenn Sie „keine Zeit“ haben!

Was tun, wenn es schon „zu spät“ ist?

Sie haben trotz aller Vorsorgemassnahmen Beschwerden am Po? Keine Panik, ein Hämorrhoidalleiden lässt sich gut behandeln – vor allem im frühen Krankheitsstadium! Lassen Sie die Symptome unbedingt vom Arzt abklären. Denn Blutungen, Juckreiz oder Schmerzen im Analbereich können auch auf andere Ursachen zurückzuführen sein.

Bei einem Hämorrhoidalleiden wird Ihnen der Arzt Salben oder Zäpfchen verschreiben, die rasch gegen die typischen Beschwerden wirken. Darüber hinaus wird er Sie beraten, wie sich das Leiden langfristig in den Griff bekommen lässt. Gut zu wissen: Eine Hämorrhoiden-OP lässt sich in den allermeisten Fällen vermeiden, wenn Sie sich rechtzeitig an Ihren Arzt wenden!