Bei der Intimhygiene kann man so einiges falsch machen: Manche Menschen rücken schlechten Gerüchen mit der Chemiekeule zu Leibe, andere vermeiden es sich „untenrum“ anzufassen. Doch wie funktioniert clevere Intimpflege wirklich und wovon sollte man besser die Finger lassen? – Ein intimer Fakten-Check.

Intimhygiene © sirtravelalot/Shutterstock.com

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Fakt 1: Ein dezenter „Eigengeruch“ ist ganz normal

Körpergerüche gelten als unfein. Wir tun viel, um sie zu vermeiden: Wir benutzen Duschgels, Seifen, Deodorants, Parfums, Zahnpasta, Kaugummis, Minzbonbons oder Lufterfrischer, um peinlichen Gerüchen möglichst keine Chance zu geben.

Ein guter Plan, dem die Natur oft einen Strich durch die Rechnung macht. Dazu muss man wissen: Wir besitzen im Intimbereich und an einigen anderen Körperstellen sogenannte Duftdrüsen. Diese werden in der Pubertät durch die Geschlechtshormone aktiviert und sorgen dafür, dass wir einen höchst individuellen Körpergeruch absondern. Er ist als Information für potentielle Geschlechtspartner gedacht. Zum einen zeigt er, dass wir geschlechtsreif sind. Zum anderen lockt er gezielt Partner an, mit denen wir in genetischer Hinsicht harmonieren. Es hat also seinen Grund, wenn man jemand „gut riechen kann“. Und vor allem ist es ganz normal und natürlich, dass der Intimbereich eine dezente Duftnote besitzt. Erst wenn der Geruch sehr unangenehm ist, kann das auf mangelnde Hygiene oder Krankheiten hindeuten.

Fakt 2: Übertriebene Intimhygiene schadet mehr, als sie nützt

Natürlich ist Körperhygiene wichtig. Doch zu viel Waschen und Schrubben zerstört auch den natürlichen Säureschutzmantel unserer Haut, trocknet sie aus und macht sie anfälliger für Umweltreize oder Krankheitserreger. Das gilt auch und besonders für den Intimbereich. Dort ist die Haut ohnehin sensibel, weil es warm und ständig etwas feucht ist. Auch durch grosse und kleine Geschäfte wird die Haut ganz unvermeidbar strapaziert.

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Aggressive Reinigungs- oder Pflegemittel sind bei der Intimhygiene daher völlig fehl am Platz! Sie schwächen die natürliche Hautflora und öffnen so schädlichen Keimen Tür und Tor. Vor allem für Frauen steigt dadurch das Risiko, an Pilzinfektionen, bakteriellen Infektionen oder Blasenentzündungen zu erkranken. Diese Infektionen führen dann erst recht zu schlechten Gerüchen!

Gynäkologen raten dazu, herkömmliche Duschgels und Seifen im weiblichen Intimbereich möglichst zu vermeiden. Auch spezielle Intimlotions und –sprays richten oft mehr Schaden als Nutzen an: Einige dieser Produkte enthalten Konservierungs- oder Duftstoffe, welche die Haut reizen oder sogar Allergien auslösen können. Lauwarmes Wasser reicht zur Intimhygiene völlig aus! Wenn Sie sich damit wohler fühlen, können Sie natürlich milde Reinigungsmittel verwenden. Achten Sie darauf, dass diese an den pH-Wert des weiblichen Intimbereichs (4 – 4,5) angepasst sind und keine allergieauslösenden Stoffe enthalten.

Fakt 3: Jeder zweite Mann vernachlässigt seine Intimhygiene

Zu viel Intimhygiene ist schlecht, zu wenig allerdings auch. Wie das deutsche Magazin Focus Online kürzlich berichtete, hat rund jeder zweite Mann in Deutschland ein schmutziges Geheimnis: Er duscht sich und wechselt seine Unterwäsche seltener als einmal täglich.

Das kann neben unangenehmen Gerüchen auch durchaus ernste Folgen für die Gesundheit haben. Forscher vermuten, dass unzureichende Intimhygiene das Risiko für Peniskrebs erhöht. Diese Krebsart ist zum Glück sehr selten, sie trifft etwa 1 von 100.000 Männern. Vermutlich entwickelt sich der Krebs oft aus chronischen Infektionen der Penishaut. Die wiederum können entstehen, wenn „Mann“ über längere Zeit die Intimhygiene vernachlässigt. Wichtig ist es vor allem das sogenannte Smegma, auch Vorhauttalg genannt, regelmässig zu entfernen. Das ist eine Mischung aus Talg, Keimen und Hautschüppchen, die sich als weissliche Ablagerung zwischen Eichel und Vorhaut ansammelt. Keine Sorge: Eine Infektion im Intimbereich bemerkt man normalweise, weil es ziemlich unangenehm riecht.

Fakt 4: Schwämmchen und Waschlappen sind Keimschleudern

Sich „da unten“ mit blossen Händen anzufassen war für frühere Generationen ein Tabu. Noch heute greifen viele Menschen bei der Intimhygiene zu Waschlappen oder Schwämmchen. Das ist auch völlig in Ordnung, solange Sie jedes Mal einen neuen Schwamm oder einen frischen Lappen benutzen (mit mindestens 60° C waschen!). Ein mehrfach gebrauchter Waschlappen, der vielleicht noch ständig feucht bleibt, ist dagegen ein wahrer Tummelplatz für Keime! Anstatt sauber zu werden, verteilen Sie den Mikro-Zoo mit so einem Lappen nur gleichmässig. Da ist es wesentlich hygienischer, wenn Sie sich mit blossen Händen reinigen – vorher und nachher aber ans Händewaschen denken. Auch Ihre Handtücher sollten Sie aus dem gleichen Grund regelmässig wechseln.

Fakt 5: Die richtige Intimhygiene beginnt auf der Toilette

Auch die Haut im Analbereich ist oft ein wahres Sensibelchen. Man kann es ihr schwer verdenken, schliesslich macht sie beim Stuhlgang regelmässig grosse Belastungen mit. Das warme, feuchte Milieu begünstigt Hautreizungen und Ekzeme, bei manchen Menschen gesellen sich noch Probleme wie Hämorrhoiden hinzu.

Wichtig ist eine gründliche und zugleich sanfte Reinigung nach jedem Toilettengang, ideal wäre dabei reines Wasser. Wer Toilettenpapier verwendet, sollte darauf achten, eher zu tupfen als zu wischen – denn Reibung strapaziert die Haut stark. Feuchtes Toilettenpapier besser vermeiden, es enthält oft jede Menge chemische Stoffe!

Die meisten herkömmlichen Seifen und Duschgels sind für den Analbereich eher ungeeignet, weil sie die Haut stark austrocknen. Verwenden Sie möglichst milde, pH-neutrale Reinigungsmittel – oder einfach nur fliessendes Wasser. Ist die Haut schon gereizt, können Sie als Erste-Hilfe-Massnahme zu fetthaltigen Salben wie Vaseline greifen: Vor dem Toilettengang aufgetragen, wirken sie als Schutzschicht und „Gleitmittel“ und sorgen so dafür, dass die Haut weniger strapaziert wird. Reinigen Sie sich nach dem „Geschäft“ vorsichtig und tragen Sie dann erneut eine kleine Menge Salbe auf, um die Heilung und Regeneration der geschundenen Haut zu fördern.

Fakt 6: Es gibt bereits Lippenstifte für „untenrum“

Pflegestifte für die Lippen sind vor allem in der kalten Jahreszeit eine feine Sache: Sie schützen die empfindliche Lippenhaut vor Kälte und trockener Heizungsluft. Ein US-amerikanisches Unternehmen hat nun eine Art Lippenstift für „untenrum“ auf den Markt gebracht – zur Pflege trockener Schamlippen. Das Produkt soll feuchtigkeitsbewahrend und pflegend wirken.

Tatsache ist, dass viele Menschen – Männer wie Frauen – mit trockener Haut im Intimbereich zu kämpfen haben. Vor allem nach der weiblichen Menopause macht sich der gesunkene Hormonspiegel oft durch Hautspannen oder lästigen Juckreiz bemerkbar. Bei hartnäckigen Beschwerden lohnt sich ein Arztbesuch, um krankheitsbedingte Ursachen auszuschliessen. Ist die Haut einfach nur trocken, können fetthaltige Lotions und Schutzsalben helfen – achten Sie genauso wie bei Reinigungsprodukten zur Intimhygiene auf eine möglichst milde, allergenfreie Rezeptur. Den Lippenstift für „untenrum“ können Sie sich dagegen sparen. Er ist vermutlich nichts weiter als ein Werbe-Gag.

Sie sind sich unsicher, welche Reinigungs- und Pflegeprodukte zur Intimhygiene geeignet sind? Wir haben für Sie eine Übersicht über günstige und weniger günstige Inhaltsstoffe zusammengestellt, die Sie hier herunterladen können!