Intimlotions, Intimdeos, Spülungen, Reinigungsschaum und Feuchttücher: In den Regalen der Drogeriemärkte wimmelt es nur so vor Produkten, die Frische und Wohlgeruch „untenrum“ versprechen. Doch die meisten dieser Produkte sind schlicht überflüssig, manche auch schädlich. Warum für eine natürliche Intimpflege Wasser völlig ausreichend ist und bei bestimmten Beschwerden sogar heilsam wirken kann.

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Natürliche Intimpflege braucht keine Chemie

Es stimmt zwar: Mangelnde Hygiene im Intimbereich führt früher oder später zu schlechten Gerüchen. Denn Müffel-Keime finden die feucht-warmen Hautfalten in der Intimregion recht gemütlich, wenn wir ihnen dort das Feld überlassen.
Doch Seifen, Waschlotions oder gar Intimdeos sind der falsche Weg, um für Hygiene und Sauberkeit zu sorgen. Viele dieser Produkte stören den natürlichen pH-Wert des Intimbereichs. Der mag es – vor allem bei Frauen – nämlich gerne sauer: Während unsere Haut einen nur schwach sauren pH-Wert von rund 5,5 aufweist, liegt er im Intimbereich bei 3,8 bis 4,4. Das saure Milieu wirkt als natürlicher Schutzschild gegen schädliche Keime oder Pilze, wir sollten es daher möglichst wenig stören. Herkömmliche Seifen oder Waschlotions haben oft einen pH-Wert im alkalischen Bereich und sind damit völlig ungeeignet.
Spezielle Intimpflege-Produkte weisen zwar oft einen sauren pH-Wert auf. Doch sie enthalten auch zahlreiche chemische Zusatzstoffe wie Parfums, Emulgatoren oder Konservierungsmittel, die im Intimbereich nichts verloren haben. Was also bleibt übrig, wenn wir alle diese Zusatzstoffe weglassen? Ganz einfach: Reines, natürliches Wasser.

Natürliche Intimpflege bedeutet Wasser und Handarbeit

Für eine gesunde, natürliche Intimpflege ist lauwarmes Wasser völlig ausreichend. Denn Wasser verändert den normalen pH-Wert der Haut nicht und ist dabei ein äusserst effektives Reinigungsmittel. Waschen sollten Sie sich möglichst einmal täglich mit fliessendem Wasser, um Rückstände von Schweiss, Talg, Ausscheidungen und Genitalsekreten zu entfernen. Am besten tun Sie das in „Handarbeit“ unter der Dusche, wobei Sie sich vorher gründlich die Hände waschen sollten. Auch ein Bidet oder Dusch-WC können nützliche Dienste leisten.
Wenn Sie lieber einen Stoffwaschlappen verwenden, sollten Sie ihn unbedingt nach jeder (!) Verwendung mit mindestens 60° C, besser 90° C waschen. Denn der feuchte Lappen bietet Mikroorganismen einen idealen Nährboden und kann damit ungewollt zur Keimschleuder werden.

Natürliche Intimpflege im Analbereich

Bei der Po-Reinigung nach dem Toilettengang machen viele Menschen in bester Absicht einiges falsch. Die Haut im Analbereich ist oft ein kleines Sensibelchen und reagiert empfindlich auf chemische Stoffe oder mechanische Reize. Auch hier sind daher Seifen, Duschgels und Reinigungslotions daher fehl am Platz! Mit Toilettenpapier sollten Sie sich besser nur vorsichtig abtupfen, um übermässige Reibung zu vermeiden.
Feuchtes Toilettenpapier ist übrigens keine gute Alternative. Die Feuchttücher fühlen sich auf der Haut zwar oft besser an als herkömmliches trockenes Toilettenpapier. Doch sie sind randvoll an chemischen Stoffen wie Parfums, aggressiven Reinigungssubstanzen und Konservierungsmitteln. Diese Stoffe trocknen die Haut aus und können Reizungen, manchmal sogar Allergien hervorrufen.
Noch besser als „Wischen“ ist simples Waschen nach dem Toilettengang. Auch im Analbereich ist Wasser für eine effektive, natürliche Intimpflege völlig ausreichend! Der Wasserstrahl hat gegenüber Toilettenpapier den grossen Vorteil, dass er die Haut völlig reibungslos reinigt. Besonders wichtig ist eine schonende und zugleich gründliche Reinigung, wenn Sie unter Beschwerden wie Hämorrhoiden, Analekzemen oder Analfissuren leiden.

Wasser kann mehr: Das kühle Nass als Heilmittel

Still und bescheiden plätschert es aus der Leitung: Sauberes, fliessendes Wasser ist in unseren Breiten so selbstverständlich, dass wir es oft unterschätzen. Denn Wasser ist mehr als ein äusserst effektives Reinigungsmittel. Es kann zugleich auch heilsam wirken. Tatsächlich gilt es als ältestes Heilmittel der Welt und wurde seit der Antike eingesetzt, um verschiedene Beschwerden zu lindern.
Vor rund 100 Jahren hat Pfarrer Kneipp diese alten Traditionen wieder aufgegriffen. Seine Wasser-Anwendungen haben bis heute zahlreiche begeisterte Anhänger. Der Wirkmechanismus der bekannten „Kneipp-Kuren“ ist so simpel wie effektiv: Das Medium Wasser transportiert wesentlich effektiver als Luft Wärme- und Kältereize an die Haut. Während warmes Wasser krampflösend, entspannend und gefässerweiternd wirkt, kurbelt kaltes oder gefrorenes Wasser Kreislauf und Durchblutung an. Es wirkt gefässverengend und kann sogar Schwellungen und Entzündungen lindern.
Diese Wirkung können Sie sich bei akuten Schmerzen aufgrund von Hämorrhoiden zunutze machen. Kältereize, etwa in Form von Eiswürfeln, unterstützen die normale Gefässfunktion sowie den Blutabfluss und wirken leicht schmerzbetäubend, ohne dass Sie zu Pillen greifen müssen.
Wichtig ist: Eisbeutel oder Coolpads dürfen Sie niemals unmittelbar auf der Haut anwenden, das könnte zu Erfrierungen führen. Am besten verwenden Sie einen wasserdichten Tiefkühlbeutel, den Sie mit einem weichen Baumwolltuch umwickeln.
Auch bei Hautreizungen nach einer Intimrasur kann es helfen, die betroffenen Stellen ganz einfach mit Eis zu kühlen. Hautberuhigende Lotions sind nach einer Achsel- oder Beinrasur eine gute Sache, für den Intimbereich aber eher ungeeignet.

Kalt-Warm: Ein äusserst erfrischendes Wechselspiel

Wechselwarme Güsse entfalten auf den Körper eine besondere Reizwirkung. Die kurzfristigen Temperaturschwankungen regen die Durchblutung stark an, trainieren die Gefässe und können bei regelmässiger Anwendung die körpereigenen Immunkräfte stärken. Menschen mit leichten Hämorrhoidal-Beschwerden empfinden wechselwarme Duschen oft als besonders wohltuend. Sie können solche Anwendungen ganz einfach in Ihre tägliche, natürliche Intimpflege integrieren.
Zum Temperaturreiz kommt bei einem gezielten, kräftigen Wasserstrahl noch der Druckreiz hinzu. Dieser massiert und stimuliert das Gewebe, was wir als angenehmes „Prickeln“ unter der Dusche erleben.
Moderne Dusch-WCs verfügen häufig über gezielte Wellness-Anwendungen, etwa einen kreisenden oder wechselwarmen Duschstrahl, die Sie bequem auf Knopfdruck starten können. Natürlich funktioniert das Ganze auch mit dem Brausekopf einer herkömmlichen Dusche.

Auch eine Alternative: Beschwerden „aussitzen“

Bei Beschwerden im Intimbereich ist es wichtig, auf Ihr Körpergefühl zu hören. Manche Menschen empfinden Kältereize bei Hämorrhoiden eher als unangenehm und bevorzugen warme Sitzbäder, um die typischen Symptome wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen zu lindern. Sie können Ihr Badewasser auch mit natürlichen, entzündungshemmenden Kräuter-Auszügen anreichern. Dazu zählen beispielsweise Eichenrinden-, Hamamelis-, Steinklee- oder Schafgarben-Extrakte. Lassen Sie sich dazu am besten in der Apotheke beraten! Sitzbäder können übrigens auch bei Beschwerden im weiblichen Intimbereich hilfreich sein, etwa bei Juckreiz oder wiederkehrenden Pilzinfektionen. Allein schon die Auszeit im wohlig warmen Wasser ist für stressgeplagte Menschen häufig eine Wohltat.

Natürliche Intimpflege als bester Schutz vor „intimen Problemen“

Durch eine regelmässige, natürliche Intimpflege mit reinem Wasser können Sie unangenehmen Beschwerden „untenrum“ von vornherein vorbeugen. Und falls es Sie doch einmal erwischt: Haben Sie keine Scheu, zum Arzt zu gehen. Sie sind kein Einzelfall, „intime Beschwerden“ zählen für den Mediziner zur ganz normalen Arbeitsroutine.