Technische Hilfsmittel in der Pflege – ein Thema, das polarisiert. Während Kritiker vor einer Entmenschlichung und Über-Technologisierung warnen, sehen Befürworter grosse Einsparungs- und Entlastungspotentiale in der professionellen Pflege. Was darf man von technischen Pflegehilfsmitteln erwarten, wo liegen ihre Möglichkeiten und Grenzen? Diesen Fragen gehen wir im Folgenden exemplarisch anhand von drei konkreten Beispielen nach.

technische Pflegehilfsmittel © Pixel-Shot/Shutterstock.com

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Zieldefinition: Was sollen technische Pflegehilfsmittel leisten?

Klar ist: Technik darf kein Selbstzweck sein. Damit technische Pflegehilfsmittel aus pflegerischer und ökonomischer Sicht sinnvoll sind, sollten sie:

  • Pflegende entlasten, indem sie bei zeitaufwendigen oder körperlich beanspruchenden Tätigkeiten unterstützen oder diese ganz übernehmen
  • die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen fördern
  • zur Kostendämpfung im Pflegesystem beitragen
  • dem Fachkräftemangel im Gesundheits- und Pflegesystem entgegenwirken

Im Idealfall helfen technische Pflegehilfsmittel zeitaufwendige Routinetätigkeiten zu reduzieren, damit mehr Zeit für die Beziehungsarbeit bleibt – die eigentliche Kernkompetenz der Pflege!

Wie technische Pflegehilfsmittel die Pflege verändern können

Glaubt man den Aussagen von Trendforschern, dann bleibt durch neue Technologien in der Pflege kein Stein auf dem anderen. Serviceroboter, Verhaltensanalyse-Sensoren, elektronisch gesteuerte Exoskelette für Gelähmte – vieles davon ist zwar technisch möglich, doch unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten derzeit eher fragwürdig.

Eine Studie im Auftrag des deutschen Gesundheitsministeriums hat sich intensiv mit Nutzen, Funktionstauglichkeit, Sicherheit und Qualität von innovativen technischen Pflegehilfsmitteln auseinandergesetzt. Dabei wurde für (nur) sechs Pflegeassistenz-Systeme eine ausdrückliche Empfehlung ausgesprochen, und zwar für

  • Mobile Aufstehhilfen
  • Toiletten mit integrierter Duschfunktion
  • “Intelligente“ Fussböden
  • Digitale Quartiersvernetzung (elektronische Planungs- und Koordinations-Plattform)
  • Elektronische Medikamentenbox
  • Automatische Herdabschaltung

Im Folgenden greifen wir exemplarisch drei dieser technischen Pflegehilfsmittel auf, für die gerade stationäre Einrichtungen ein reichhaltiges Einsatzfeld bieten.

Aufstehhilfen

Aufstehen und Hinsetzen erfordert viel Kraft, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit. Vor allem für ältere Pflegebedürftige sind diese Bewegungsabläufe oft schwierig und mit einem hohen Sturzrisiko verbunden.

Aufstehhilfen unterstützen den Nutzer beim sicheren Positionswechsel. Es gibt sie in unterschiedlichen Varianten: vom mobilen Katapultsitz über stationäre Pflegesessel bis hin zu fest an Wand oder Decke montierten Patientenliftern. Mit letzteren können Pflegende auch bettlägerige Personen sicher und kraftsparend in den Rollstuhl oder auf den Dusch- und Toilettensitz heben.

Für Pflegende bedeuten Aufstehhilfen eine enorme körperliche Entlastung, da es ihnen durch diese technischen Pflegehilfsmittel erspart bleibt, das Körpergewicht ihrer Schützlinge aus eigener Kraft zu „stemmen“. Das wiederum trägt dazu bei, die typischen berufsbedingten Gesundheitsrisiken zu reduzieren und Beschäftigte länger im Beruf zu halten.

Pflegebedürftige bleiben durch Aufstehhilfen länger mobil und können ihre Selbstständigkeit wahren, zugleich erhöhen die Hilfsmittel erheblich die Sicherheit. Ungeeignet könnten Aufstehhilfen lediglich für geistig eingeschränkte oder demenzkranke Personen sein, die sich durch einen unkontrollierten Bewegungsdrang selbst in Gefahr bringen.

Toiletten mit integrierter Duschfunktion

Dusch-WCs vereinen die Grundfunktionen von Toilette und Bidet: Sie reinigen den Intimbereich nach dem Toilettengang mit einem gezielten Wasserstrahl und föhnen die Haut anschliessend trocken. Dusch-WCs sind keine reinen Pflegehilfsmittel, sondern werden auch von körperlich gesunden Personen benutzt. Für Pflegebedürftige bieten sie allerdings besondere Vorteile.

Vorteile eines Dusch-WCs

Dusch-WCs ermöglichen es auch motorisch eingeschränkten Personen wie Schlaganfall-Patienten oder Gelähmten, ohne fremde Hilfe eine Toilette zu benutzen. So bleibt die Intimsphäre gewahrt, was für die Betroffenen ein grosses Stück Würde und Selbstbestimmung bedeutet. Darüber hinaus sind Toiletten mit Dusch-Funktion auch aus medizinisch-pflegerischer Sicht sinnvoll, da nach dem Toilettengang kein Handkontakt mit potentiellen Hygiene-Risiken nötig ist. Der Wasserstrahl reinigt schonender als Papier, was vor allem bei häufigem Stuhlgang oder bei Hautbeschwerden im Analbereich wichtig ist.

Auch für Pflegende bedeuten Dusch-WCs eine enorme zeitliche, körperliche und psychische Entlastung, denn die Intimreinigung zählt – verständlicherweise – zu den eher unangenehmen Aspekten des Pflegeberufs.

Spezielle Dusch-WCs für den Pflegebereich

Wichtig ist es bei Dusch-WCs auf Spezialanfertigungen für den Pflegebereich zu achten, wie wir von  Closomat sie anbieten. Diese Modelle verfügen über ein einzigartiges Zubehörprogramm mit Aufstehhilfen, unterschiedlichen Sitzauflagen und bedarfsgerechten Auslösevarianten. Die Spül- und Duschfunktion kann etwa über breite Taster im Ellbogenbereich ausgelöst werden, was auch für Menschen mit starken motorischen Einschränkungen meist gut zu bewerkstelligen ist.

Der Anschaffungspreis beträgt 5000 – 7000 CHF. Zubehör und Sonderanfertigungen können den Preis erhöhen. Die Kosten sind allerdings in Relation zur Nutzungsdauer zu sehen: Selbst bei intensivem Gebrauch halten Closomat Dusch-WCs dank hochwertiger Bauweise bis zu 25 Jahre, der Wartungsaufwand ist in der Regel gering. Der Hersteller garantiert eine Ersatzteilverfügbarkeit von bis zu 20 Jahren. Die Anschaffungskosten sind selbstverständlich in der Unternehmensbilanz steuerlich absetzbar.

Einer Modellrechnung des Herstellers zufolge amortisieren sich die Kosten eines Dusch-WCs mit kombinierter Liftanlage innerhalb von 187 Tagen, wenn die Toilette in einer Pflegeeinrichtung von zumindest zwei Personen regelmässig genutzt wird.

„Intelligenter“ Fussboden

Bei „intelligenten“ Fussböden handelt es sich um Sensormatten unter dem Bodenbelag, die bewegungsbezogenen Aktivitätsmuster erfassen. Ihr primärer Zweck ist die Erkennung und Meldung von Stürzen: Das Sensorensystem kann „normale“ Trittbelastungen von einem Sturzereignis unterscheiden und alarmiert im Bedarfsfall über das hauseigene Notrufsystem das Pflegepersonal. So kann der Betroffene unverzüglich medizinisch versorgt werden.

Arbeitet das System technisch zuverlässig, dann entlastet dies das Pflegepersonal von zeitintensiven Kontrollgängen. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass die Intimsphäre der Bewohner in ihren Schlafräumen besser gewahrt bleibt.

In einem Pilotprojekt im deutschen Pfaffenhausen wurden 70 Pflegezimmer komplett mit intelligenten Fussböden ausgestattet. Im Projektzeitraum von 4 Monaten resgistrierte das System insgesamt 28 Stürze, wovon einer nach Aussagen der Pflegedienstleitung ohne das Notrufsystem vermutlich tödlich verlaufen wäre.

Die Kosten für eine Ausstattung mit „intelligenten Fussböden“ sind derzeit allerdings noch hoch: In Pfaffenhausen betrugen sie 6.000 Euro pro Zimmer – umgerechnet rund 6.600 CHF.

Eine kostengünstigere Alternative wäre eine selektive Verlegung von Sensormatten an „neuralgischen Punkten“, etwa vor Bett oder WC. Das könnte auch Weglauftendenzen verwirrter oder demenzkranker Bewohner erfassen: Verlässt die Person nachts das Bett, erhält das Pflegepersonal automatisch eine Meldung. Das erhöht die Sicherheit, ohne den Pflegebedürftigen in seiner Freiheit einzuschränken.

Selbstverständlich setzt die Installation „intelligenter“ Fussböden das Einverständnis der Betroffenen bzw. ihrer Angehörigen voraus, und auch der Datenschutz ist eine heikle Frage!

Konkurrenzfähig durch technische Pflegehilfsmittel

Technische Pflegehilfsmittel eröffnen neue Wege in der Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen, denn sinnvoll eingesetzt, erhöhen sie die Lebensqualität der Betroffenen und entlasten Pflegekräfte sowie pflegende Angehörige. Pflegeeinrichtungen können sich durch innovative Assistenzsysteme von ihrer Konkurrenz abheben und dank attraktiver Arbeitsbedingungen ihr Personal besser binden. Doch technische Pflegehilfsmittel sollten mit Mass und Ziel eingesetzt werden. Vor jeder konkreten Anschaffung muss eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Analyse stehen, die auch ethische und datenschutzrechtliche Aspekte einschliesst!