Ob Alter, Behinderung oder einfach vorausschauende Planung: Es gibt viele gute Gründe, um sich im eigenen Zuhause ein behindertengerechtes Bad einzurichten. Niveaugleiche Duschen und andere clevere Lösungen garantieren, dass Ihnen in Ihrer privaten Wellnesszone wortwörtlich nichts im Wege steht. Doch was kostet ein behindertengerechtes Bad, gibt es dafür Zuschüsse und welche Massnahmen lassen sich schon mit einem kleinen Budget umsetzen? Informieren Sie sich hier, mit welchen Ausgaben Sie rechnen müssen!

Behindertengerecht, rollstuhlgerecht, altersgerecht – was darf es sein?

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Was ein „behindertengerechtes“ Bad kostet, hängt zunächst einmal von Ihren Bedürfnissen ab:

  • Möchten Sie sicherstellen, dass Sie Ihr Bad auch im Alter problemlos nutzen können? Dann reicht oft eine „barrierearme“ Umsetzung mit niveaugleicher Dusche und einer vorausschauenden Raumplanung, die sich bei Bedarf flexibel an individuelle Bedürfnisse anpassen lässt.
  • Soll das Bad rollstuhlgerecht sein? Dann ist es wichtig, dass Sie ausreichend Bewegungsfreiheit haben und das Bad schwellen- und stufenlos gestaltet ist.
  • Bei einem „behindertengerechten“ Bad kommt es auf Ihre individuellen Bedürfnisse an: Eine Sehbehinderung erfordert etwa ganz andere Massnahmen als eine motorische Beeinträchtigung nach einem Schlaganfall.
    Behindertengerechtes Bad: Die Gesamtkosten im Überblick

Ein hochwertiges behindertengerechtes Bad hat seinen Preis. Zu Ihrer groben Orientierung:

  • Im unteren Preissegment sollten Sie mit Mindestkosten von 10.000 bis 15.000 CHF rechnen. Um diesen Preis bekommen Sie ein zweckdienliches Bad mit einfacher, barrierefreier Standard-Ausstattung.
  • Im mittleren Preissegment bewegen sich die Kosten zwischen 15.000 und 25.000 CHF. Damit können Sie sich bereits eine separate Badewanne, hochwertige Sanitär-Keramik und edle Materialien wie Naturstein gönnen.
  • Ab rund 25.000 bis 30.000 CHF richten Sie sich Ihren privaten barrierefreien Wellness-Bereich mit Whirlpool, Fussbodenheizung und Designer-Keramik ein. Nach oben hin sind die Grenzen selbstverständlich offen.

Bitte beachten Sie: Dabei handelt es sich nur um sehr grobe Richtwerte. Was ein behindertengerechtes Bad kostet, hängt massgeblich von seiner Grösse ab und davon, was genau ein- oder umgebaut werden soll.

Behindertengerechtes Bad: So schlüsseln sich die Kosten auf

Konkret sollten Sie bei einem „typischen“ behindertengerechten bzw. barrierefreien Bad mit folgenden Kostenpunkten rechnen:

1. Einbau einer niveaugleichen Dusche

Eine barrierefreie Dusche muss für Rollstuhlfahrer schwellen- und stufenlos zugänglich sein, die Mindestfläche sollte 120 x 120 cm betragen. Haltegriffe und ein rutschhemmender Bodenbelag erhöhen die Sicherheit. Sinnvoll ist ein belastbarer, hochklappbarer Duschsitz, der die selbstständige Körperhygiene wesentlich erleichtert. Für den Einbau einer niveaugleichen Dusche sollten Sie mit Mindestkosten von 1.700 CHF rechnen.

Eine kostengünstigere Alternative zur behindertengerechten Dusche kann der Einbau eines Badewannenlifters sein. Einfache mobile Modelle sind bereits ab rund 100 CHF im Fachhandel erhältlich.

2. Montage eines behindertengerechten WCs

Ein behindertengerechtes WC muss mindestens mit hochklappbaren Stützgriffen zu beiden Seiten ausgestattet sein sowie eine belastbare Rückenlehne aufweisen. Wichtig ist auch eine angepasste Höhe des WC-Körpers (46 – 48 cm anstatt 43 cm oder nach Bedarf). Für Rollstuhlfahrer sollte das WC seitlich anfahrbar sein, was eine entsprechende Raumgrösse voraussetzt.Stützgriffe und Rückenlehne sind schon für weniger als 100 CHF erhältlich. Der eigentliche Kostentreiber ist ein eventuell nötiger Austausch bzw. Einbau eines neuen WC-Körpers! Bei einfachster Ausführung sollten Sie mit Mindestkosten von 700 CHF rechnen.

Hinzu kommen mögliche Kosten für Abbruch und Entsorgung des alten WCs, eventuell auch für Installateur und Plattenleger, falls das neue WC an einem anderen Ort stehen soll.

3. Montage eines unterfahrbaren Waschtisches

Rollstuhlfahrer benötigen unter dem Waschtisch unbedingt Beinfreiheit, Unterschränke sind daher ungeeignet. Wichtig ist auch eine geeignete Höhe: Der Standard-Richtwert beträgt 80 cm, entscheidend ist natürlich die individuelle Körpergrösse. Für einen neuen Waschtisch sollten Sie mit Mindestkosten von 300 bis 500 CHF rechnen, Doppelwaschtische sind ab ca. 700 CHF zu haben.

Oft lässt sich der bestehende Waschtisch mit deutlich geringerem Geldeinsatz umrüsten. Eine Kippspiegelhalterung sorgt beispielsweise dafür, dass Sie einen zu hoch angebrachten Spiegel auch aus einer sitzenden Position nutzen können.

4. Verlegen eines rutschfesten Bodenbelags

Ein nasser Fussboden mit rutschigen Fliesen macht das Bad rasch zur Gefahrenzone. Für einen rutschfesten Bodenbelag sind Preise von rund 50 CHF pro m2 zu veranschlagen. Eine wesentlich kostengünstigere Alternative stellen handelsübliche Weichschaummatten dar, die schon ab 20 CHF zu haben sind.

5. Einbau geeigneter Armaturen

In einem barrierefreien Bad sollten sämtliche Armaturen auch aus einer sitzenden Position erreichbar sein. Am besten geeignet sind ergonomisch geformte Einhebel-Armaturen mit Temperatur-Stopp (Verbrühungsschutz). Günstige Waschtisch-Armaturen erhalten Sie bereits ab 30 CHF.

Das kann Zusatzkosten verursachen

Bedenken Sie, dass Sie neben den reinen Material- und Anschaffungskosten auch die Arbeit von Installateur, Fliesenleger, gegebenenfalls Maurer und Elektriker zu bezahlen haben! Die Stundenlöhne betragen je nach Region zwischen 50 und 100 CHF. Hinzu kommen die Kosten für die Planung sowie für Abbruch und Entsorgung der alten Badeinrichtung.

Was ein behindertengerechtes Bad kostet, hängt zudem von nötigen Vorarbeiten und zusätzlichen Umbau-Massnahmen ab. Mit erheblichen Mehrkosten müssen Sie rechnen, wenn

  • für Rollstuhlfahrer Türen verbreitert oder ausgetauscht werden
  • neue Wasser- oder Elektroanschlüsse nötig sind
  • für die Montage von Halte- und Stützgriffen Wände verstärkt werden müssen
  • zugleich eine neue Lüftung oder Heizung eingebaut wird

Kostspielig wird der Umbau auch dann, wenn das bestehende Bad zu klein ist. Da Rollstuhlfahrer zum Rangieren eine Mindestfläche von 150 x 150 cm benötigen, ist für ein behindertengerechtes Bad eine Mindestgrösse von rund 6 m2 zu veranschlagen. Müssen Innenwände versetzt werden, um mehr Fläche zu schaffen, können sich die Kosten für ein behindertengerechtes Bad rasch verdoppeln!

Wo Sie Zuschüsse für ein behindertengerechtes Bad bekommen

Die gute Nachricht ist: Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie für einen behindertengerechten Umbau Ihres Bades staatliche Zuschüsse lukrieren. Förderungen werden in der Schweiz auf zwei Ebenen vergeben: Zum einen durch die Invalidenversicherung (IV), zum anderen auf kantonaler Ebene. Anspruch auf IV-Zuschüsse haben Sie, sofern Sie durch Krankheiten oder Unfälle längerfristig erwerbsunfähig sind. Für das Gesuch auf Kostenübernahme benötigen Sie immer einen konkreten Kostenvoranschlag!

Weitergehende Informationen zu möglichen Förderungen und Zuschüssen für einen behindertengerechten Umbau Ihrer Wohnung erhalten Sie in diesem Leitfaden: